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Besonders freuen wir uns, dass einige nun ehemalige Theater-AG-Mitglieder ihre Eindrücke, Motive und Erfahrungen rund um die Theater-AG geschildert haben. Und wir waren immer mit großen Talenten gesegnet: mehrere Schülerinnen sind inzwischen an Schauspielschulen tätig... :-)

 

Julie Chaput (AG-Mitglied von 2007 bis 2012):

Die Theater-AG ist für mich ein Hobby, keine Schulaktivität. Ich treffe mich jede Woche mit den Freunden, die ich hier gefunden habe und die ich ansonsten nur im Flur zwischen den Stunden sehe. Wir reden und stehen auf der Bühne, lachen und lernen Text. Während der Stunden, in denen wir ein Stück inszenieren, passieren die absurdesten, lustigsten, großartigsten Sachen, die einen über die Zeit begleiten und manchmal sogar Kult-ähnlichen Status erreichen. All das gipfelt dann in der Aufführung. Hinter den Kulissen herrscht organisiertes Chaos, von dem der Zuschauer nichts mitbekommt. Für mich persönlich ist es mitunter das Größte, dem Publikum auf der Bühne das Stück zu präsentieren, an dem wir knapp ein Jahr gebastelt und geübt haben, und dann auch den verdienten Applaus zu genießen. Allesamt sind das Erfahrungen, die ich nie missen wollte und würde und die mein Schulleben und mein weiteres Leben mehr als positiv ergänzt bzw. verändert haben.

 

Yves Heuser (AG-Mitglied von 2007 bis 2012):

Jedes Seminar, jede AG und jede gruppendynamische Veranstaltung beginnt mit dem Kennenlernen. Bei vielen Veranstaltungen bedeutet das in erster Linie, „Kennenlernspiele" zu spielen. Und so musste auch die neue, junge Theater-AG, die im Jahr 2006 das schwere Erbe der alten, erfolgreichen, bekannten Theatergruppe antreten wollte, zunächst eine große Zahl dieser Spiele über sich ergehen lassen.

Zusammengefunden hatte sich damals ein bunter Haufen von annäherungsweise 25 Schülern aus der Mittelstufe ab Klasse 7 und ein paar Oberstufenschülern unter der Führung von Sina Läube und Christian Macke.

Bereits nach kurzer Zeit hatte man sich aneinander gewöhnt und fing an mit dem eigentlichen Ziel, dem Theater.

Anfangs bestand dieses nur aus internen Aufführungen altbewährter Klassiker von Loriot und Co. Rasch wollte man dann jedoch ein richtiges Stück aufführen. Da aber die Theater-AG gerade erst neu gegründet worden war, entschloss man sich, kein bereits existierendes Werk zu nehmen, das eventuell zu anspruchsvoll oder lang gewesen wäre, sondern ein eigenes kleineres selbst zu schreiben und darin eine für den Schulalltag relevante Problematik zu thematisieren.

In kleinen Gruppen wurden dann einzelne Szenen eines Stücks, in dem ein Mädchen in eine neue Klasse kommt und sich Mobbing ausgesetzt sieht, geschrieben. Am Ende stand ein kurzes, bündiges Skript, das letztendlich vor interessierten Klassen vorgeführt wurde.

Nach dem ersten Jahr stand dann fest, wer gerne weiterhin auf der Bühne stehen wollte und für wen das „Reinschnuppern" genügte. Deshalb führte dieses Findungsjahr dazu, dass im darauffolgenden Schuljahr immerhin noch knapp 15 Schülerinnen und Schüler an der AG teilnahmen. Dieses Mal wollte man dann aber doch ein großes Stück in Angriff nehmen.

So kam es, dass im Spätsommer 2007 jeder sein eigenes kleines Reclam-Heft des Stückes „Die Zwölf Geschworenen" von Reginald Rose in der Hand hielt und sich zum ersten Mal mit dem harten Brot des Textlernens konfrontiert sah. Die Besetzungsliste war überraschend schnell gefunden und so machte man sich an die Arbeit.

Wie auch in jedem folgenden Jahr lief alles schleppend an. Man sagte sich, dass man ja noch sehr viel Zeit habe, da die Aufführung ja in der Nähe der Sommerferien angesetzt sei. Progressiv begann dann erst der eine, dann der andere, immer mehr Text zu können, bis dann im Frühjahr 2008 auch der letzte ganze Akte ohne Textbuch spielen konnte.

Nun begann der zweite Teil der Arbeit, jeder musste sein Kostüm finden, ein Bühnenbild musste erstellt werden und Requisiten brauchte man schließlich auch noch. So langsam wurde die Vorbereitung des Stücks anstrengender und Angst machte sich breit, man würde nicht fertig werden.

Als dann zwei Wochen vor dem geplanten Termin am Probenwochenende doch alles saß, war die Erleichterung groß. Die eigentliche Aufführung dann wischte letztendlich jeden Zweifel weg und zeigte, dass sich der monatelange Aufwand gelohnt hatte. Jeder Teilnehmer der AG war im Sommer 2008 froh, die Last des Textlernens auf sich genommen zu haben. Auch das Publikum war begeistert.

Aufbauend auf diesem Erfolg führte man dann in den folgenden Jahren immer wieder Stücke auf. Auch wenn 2009 die Aufführung an Terminproblemen scheiterte, kamen dann mit „Acht Frauen", „Ernst sein ist Alles" und „Die Mausefalle" drei sowohl bekannte als auch unterhaltsame Werke zur Aufführung. Und von Jahr zu Jahr fanden sich mehr interessierte Zuschauer ein. Und auch, wenn ab und zu Teilnehmer aus schulischen oder privaten Gründen weggingen, kamen immer wieder neue Interessenten dazu und es blieb bei einem Kern von Jugendlichen, die seit 2006 dabeigeblieben sind, und der Anzahl von in etwa 20 Schülerinnen und Schülern.

Dabei läuft jedes Jahr annäherungsweise gleich ab. Zunächst werden die „Neuen" mit kleineren Übungen in die Gruppe integriert, und sobald das geschehen ist, sucht man nach einem neuen Stück. Gemeinsam werden dann verschiedene Vorschläge durchgesehen und eine Entscheidung gefällt.

Danach liest man sich das komplette Stück durch und sucht sich seine favorisierte Rolle aus, gemeinsam wird dann ausgewählt, wer am besten für welche Rolle passt und ob sich das mit den Wünschen deckt. Bis jetzt hat aber jeder eine Rolle bekommen, mit der er oder sie zufrieden war.

Der weitere Ablauf ist ähnlich wie bei den „Zwölf Geschworenen". Der Anfang ist schleppend, doch nach und nach sitzt der Text und das Stück nimmt Form an. Mittlerweile befinden sich im Fundus der Theater-AG auch viel mehr Gegenstände, um das Bühnenbild interessanter zu gestalten. Darüber hinaus hat sich über Spenden finanziert auch eine kleine eigene Theaterkasse entwickelt, die im Zweifelsfall einspringen kann. So werden die Interpretationen der Theater-AG immer plausibler und sehenswerter.

Gegen Ende der Probezeit nehmen dann die Wochenenden zu, an denen man sich in der Aula zusammenfindet, um länger als die wöchentliche AG-Stunde zu proben. So bekommt nicht nur das Stück seinen letzten Schliff, sondern auch die Gruppe einen besonderen Zusammenhalt und das Ensemble wächst enger zusammen.

Unmittelbar vor der Aufführung wächst dann das Lampenfieber, von dem niemand verschont bleibt. Bei manchen kommt es schon Wochen im Voraus und andere kommen erst in den Minuten vor der Aufführung ins Schwitzen. Für jeden einzelnen bedeutet es dann aber doch, über sich selbst hinaus zu wachsen, frei vor Publikum zu sprechen und in andere Rollen zu schlüpfen. Eine Erfahrung, die nicht nur berauschend und adrenalingeladen ist, sondern auch Spaß macht und für das weitere Leben einen speziellen Wert hat.

Die Theater-AG ist daher jedem zu empfehlen, der sich für das Theater interessiert, gerne sein künstlerisches Geschick an einem Bühnenbild unter Beweis stellen will oder seine Ängste, vor Publikum zu sprechen, überwinden will.

 

Luka Gehring (AG-Mitglied von 2007 bis 2013):

Die Lichter gehen aus. Herzklopfen. Absolute Stille. Man könnte ein Textbuch zu Boden fallen hören – vorausgesetzt, man hätte sich den Anweisungen der Lehrkräfte widersetzt und jenes Textbuch trotz ausdrücklichen Verbotes mit auf die Bühne genommen (was selbstverständlich nie der Fall war). Es ist eigentlich kaum in Worte zu fassen, wie man sich fühlt, so kurz vor einer Aufführung, und was einem durch den Kopf geht: Der Text, der sich auf einmal in Luft aufgelöst zu haben scheint, diese eine Szene, die selbst bei der Generalprobe noch nicht so recht klappen wollte, ein ganzes Schuljahr mal weniger, mal „Oh-mein-Gott-die-Aufführung-ist-in-drei-Wochen-und-ich-kann-meinen-Text-noch-nicht“ intensiver Arbeit und Vorbereitung für diesen einen Moment.

7 Jahre und 6 Aufführungen lang durfte ich diese Momente als Mitglied der Theater-AG erleben. Durfte unzählige Pizzabestellungen an unzähligen Wochenendproben lang ein paar der schönsten Momente meiner Schulzeit erleben. Und wenn ich auf die Frage nach Wochenendplänen mal wieder mit „Theater“ antwortete, wunderte dies irgendwann niemanden mehr, lediglich die mitleidigen Blicke ob der Stunden, die ich in einer im Sommer oftmals viel zu heißen und im Winter viel zu kalten Aula am Wochenende verbrachte, hielten in all den Jahren an. Und auch ich habe manchmal überlegt, weswegen ich sieben Jahre lang bei der Theater-AG geblieben bin.

Ich glaube, zwischen all den Matheformeln und Französischvokabeln, die man nie zu begreifen und zu behalten schien, zwischen all den Prüfungen, den Erwartungen und dem Druck wurde die Theater-AG ein Ort für mich, an dem ich nicht zu zweifeln brauchte, an mir und meinen Fähigkeiten. Ein Ort, an dem mir nie gesagt wurde „das kannst du nicht“, sondern immer nur „das schaffst du schon!“. Und so hat sich das erste Mal AG-Treffen nach den Sommerferien jedes Mal ein bisschen wie „nach Hause kommen“ angefühlt, auch wenn die Mitglieder gewechselt, alte gegangen und neue gekommen sind. Überhaupt sind es all die tollen Leute, die ich durch die Theater-AG kennen gelernt habe, die mich unglaublich glücklich machen, Teil dieser Familie zu sein. Und es würde mich nicht wundern, wenn ich eines Tages ein Theater oder ein Kino besuche und einen eben dieser tollen Menschen sehe und sagen kann: „Mit dem habe ich damals zusammen die Theater-AG besucht.“

Angefangen als zurückhaltende Siebtklässlerin, die sich zwischen all den größeren Schülern und auf der großen Bühne erst noch zurecht finden musste, stehe ich nun, als Abiturientin, vor der Aufgabe, meine Rolle auf der großen Bühne da draußen zu finden, mein Skript selbst zu verfassen, meine Schritte selbst zu bestimmen. Und wo auch immer mich dieser neue Weg hinführen wird, alles, was ich in der Theater-AG gelernt habe, werde ich auf diesen Weg mitnehmen. Denn vom Bühnenbild basteln, übers Text lernen bis zum Lampenfieber vor einer Aufführung hat die Theater-AG einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich heute die bin, die ich bin.

 

Inzwischen wurden in den letzten Jahren mit zunehmender Wahrnehmung durch die Engeraner Bevölkerung und die wohlmeinende Presse zahlreiche sehr bekannte und anspruchsvolle Stücke von berühmten Autorinnen und Autoren aufgeführt: „Die 12 Geschworenen“ von Rose und Budjuhn, „8 Frauen“ nach Robert Thomas, „Ernst sein ist alles“ von Oscar Wilde, „Die Mausefalle“ von Agatha Christie und zuletzt „Harlekinade“ von Terence Rattigan. Mit letzterem Stück nahmen wir auch sehr erfolgreich bei den „Schultheatertagen PLAY“ am TAM in Bielefeld teil und errangen von 12 Schulen den 2. Platz! Im im Schuljahr 2013/2014 gab es dann eine Neuheit: eine Schülerin der Q2, Alexandra Starr, führte Regie und spielte auch noch die Hauptrolle in einer modernen Adaption von „Alice im Wunderland“.

 

Eine großartige Erfahrung, die Alexandra an dieser Stelle persönlich vorstellen möchte:

Ich war insgesamt vier Jahre lang Mitglied der Theater-AG; anfangs hinter der Bühne, dann als Schauspielerin auf der Bühne und nun abschließend als Regisseurin. In der Spielzeit 2014/15 hatte ich im Rahmen einer Besonderen Lernleistung die Chance, das Stück „Alice im Anderland“ von Stefan Altherr sowohl zu inszenieren und Regie zu führen als auch zusätzlich die Hauptrolle der Alice aktiv schauspielerisch auf der Bühne ausgestalten zu dürfen. Durch diese Doppelrolle habe ich während des letzten Jahres viele neue Erfahrungen gemacht und bestimmt auch einiges gelernt.

Was genau ist die Aufgabe des Regisseurs? Wie leitet man eigentlich eine Gruppe von Gleichaltrigen? Wie stelle ich mir selbst die Inszenierung vor? Welchen Freiraum gewähre ich den Darstellern? Müssen immer alle 'nach meiner Pfeife tanzen' oder erarbeiten wir das Stück schrittweise zusammen?... - Zahllose Fragen, auf die ich (noch) keine Antworten hatte. Oder zumindest war das mein erster Eindruck, denn im Laufe der Arbeit ergaben sich die meisten Antworten entweder doch von ganz allein oder aber durch ein bisschen Hilfe seitens der anderen Darsteller oder der Lehrer.

Die tolle Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe ist es auch, die für mich unsere Theater-AG im Wesentlichen ausmacht. Jedes Jahr beginnt mit einer veränderten Gruppenkonstellation und jedes Jahr hat man von Anfang an das Gefühl, zwischen all diesen einfach liebenswerten und wohl auch ein bisschen verrückten Menschen genau richtig zu sein.

Natürlich ist es nicht immer leicht, während den Proben und der Arbeit am Stück einerseits jedem gerecht zu werden, andererseits aber im Endeffekt auch zu einem aufführenswerten Ergebnis zu kommen. Ein kleiner Balanceakt, der mich vielleicht manchmal ein paar Nerven gekostet hat, vor allem jedoch unheimlich viel Spaß gemacht hat, denn spätestens nach den Aufführungen war uns allen klar: Es hat sich gelohnt!

Rückblickend auf meine Zeit in der Theater-AG kann ich nur sagen, dass es immer ein unvergleichlich tolles Gefühl war, nach fast einem Jahr intensiver Probenzeit endlich mit all meinen 'Theater-Freunden' auf der Bühne zu stehen und glücklich und stolz dem Publikum das entstandene Kunstwerk präsentieren zu können; ganz nach unserer Devise „Let's kick some ass!“. Eine wirklich unvergessliche Zeit mit vielen tollen Momenten, einmaligen Erfahrungen und ganz besonderen Menschen, die für mich sehr prägend war!