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Paris - schon der Name weckt Sehnsüchte und Vorfreude. Kaum eine Stadt in Europa hat eine derart magische Anziehungskraft und lockt jedes Jahr Millionen von Touristen an. Als meistbesuchteste Hauptstadt Europas zieht sie auch die Schülerinnen und Schüler der Widukind-Gymnasiums (ab der Klasse 9) immer wieder in ihren Bann.

Wenn sich der personelle Rahmen bietet, versucht die Fachschaft Französisch interessierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, im Rahmen einer dreitägigen Exkursion, unter sachkundiger Führung oder auch selbstständig die französische Hauptstadt zu erkunden. Für alle Beteiligten immer wieder ein unvergessliches Erlebnis...
Da sich im Ablauf des Jahres kaum Lücken im straffen Unterrichtsgang ergeben, finden die Paris-Exkursionen seit einiger Zeit hauptsächlich in der Freizeit (Ferien, lange Brücken-Wochenenden) statt.
Die inzwischen wachsende Anzahl der "Wiederholungstäter" hat es erforderlich gemacht, das Programm vor Ort in ein "Einsteiger-Programm" und ein "Fortgeschrittenen-Programm zu trennen, um möglichst allen Wünschen und Ansprüchen gerecht zu werden.

Während die "Einsteiger" die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erleben (Notre-Dame, Place de la Concorde, Champs-Élysées, Arc de Triomphe, Hôtel des Invalides, Louvre, Musée d'Orsay, Versailles, Eiffelturm), versuchen die "Fortgeschrittenentouren" auch Orte zu zeigen, die man beim ersten Besuch nicht unmittelbar besucht.
Natürlich gehören für die Schülerinnen und Schüler Freizeit für das große "Shopping" in der Galerie Lafayette und Co. genauso zum Erleben dieser Stadt, wie Pausen in Parks oder auf dem Deck der berühmten Seine-Schiffe. 

Die Fahrten beginnen traditionell am Mittwochabend gegen 22 Uhr in Enger. Am Folgetag gegen 9 Uhr erreichen wir dann Paris und beginnen unmittelbar mit dem Programm.Zwei Übernachtungen mit Frühstück - in der Regel in einem der zahlreichen Etap-Hotels - gehören zum Angebot ebenso dazu wie eine Stadtrundfahrt am Freitagmorgen.

Der Abschluss der Exkursion findet bei gutem Wetter auf den Stufen von Sacré Coeur statt, wo wir am Freitagabend um Mitternacht mit einem letzten Blick auf die erleuchtete Stadt verabschieden um ins heimische Enger zurückzukehren.

Nachstehend folgen Eindrücke und Reiseberichte. Kommen Sie doch einfach mit...

Bon voyage à tous!

 

Osterferien-Exkursion 2011

Tag 1 der Osterferienexkursion: Nach einer sensationell schnellen Fahrt erreichen wir unser Hotel gegen kurz vor acht Uhr am Morgen, von wo wir uns direkt zur Ile de la Cité aufmachen und gegen neun Uhr Notre Dame besichtigen. Die "Fortgeschrittenengruppe" besichtigt danach die unterirdischen Reste aus der Antike, dem Mittelalter und dem 18. Jahrhundert unter dem Vorplatz von Notre Dame.
Danach geht es direkt zum Eingang der Pariser Katakomben. Da die Schlange hier jedoch so lang ist, verlagern wir uns zunächst zum Centre Montparnasse, um ein bisschen zu shoppen und Mittagspause zu machen. Danach folgt ein Spaziergang über den berühmten Friedhof im Montparnasse. Am Grab von Sartre wirft der Unterrichtsstoff des nächsten Schuljahres bereits seine Schatten voraus: "Huis clos" steht auf dem Programm. Wie eine geschlossene Gesellschaft kommen wir uns hier auch vor. 
Der zweite Versuch, in die Unterwelt der Katakomben zu steigen, schlägt auch fehl.... auch eine Stunde vor Kassenschluss ist die Schlange immer noch über zwei Stunden lang. Vielleicht müssen wir doch mal Kontakt mit den "Cataphiles" aufnehmen, jenen jungen Leuten, die am Wochenende - natürlich streng illegal - Parties im Pariser Untergrund feiern...
Also weichen wir aus und machen einen nicht geplanten Halt in der Madeleine-Kirche, wo es sich herrlich ausruhen lässt... bevor es zum ersten Großprogrammpunkt des Tages geht: das Musée d'Orsay wartet - auch mit einer großen Manet-Ausstellung. Die Füße beginnen langsam an zu schmerzen.
Drei Stunden uns viele Eindrücke später setzen sich 40 Engeraner in Richtung Place Pigalle in Bewegung, um noch ein wenig einzukaufen, bevor es um halb 11 ins Hotel geht. Endlich ein Bett...! Nach knapp 16 Stunden auf den Füßen und einer wenig schlafreichen Nachtfahrt ist das jetzt auch nötig!

Der zweite Exkursionstag...
Nach einem viel zu frühen Frühstück um 7.30 Uhr und der obligatorischen Stadtrundfahrt besucht die Fortgeschrittenengruppe das Panthéon, die nationale Weihestätte für die "großen Männer der Nation", unter die sich auch zwei Frauen geschummelt haben. Der Hauch der Geschichte umweht den Besucher und fasst ihn für einen Augenblick an. So viel Staatspomp ist man als Deutscher eher nicht gewöhnt...
Wieder draußen, steht erst einmal Mittagspause auf dem Programm, die wir im Umfeld der Rue Mouffetard verbringen. Die ganz in der Nähe liegenden Überreste der antiken Arena von Lutetia sind dabei ebenso anziehend wie die vielen kleinen Geschäfte in jenem sehr quirligen Viertel. Während die halbe Welt sich die Hochzeit von Kate und William anschaut, sitzen die Teilnehmer in kleinen Straßenrestaurants und lassen es sich hervorragend schmecken. Pause für die Füße - welche Wohltat.
Der nächste Programmpunkt ist ebenfalls fußintensiv: Nach einer knappen Stunde Wartezeit können wir die Orangerie im Tuileriengarten betreten, wo wir auf die monumentalen Seerosenbilder von Monet stoßen.. In den beiden ovalen Ausstellungsräumen herrscht eine fast andächtige Ruhe - und falls nicht, wird sie von der durchdringend-sonoren Stimme eines wahren Museumszerberus umgehend wieder hergestellt. Wenngleich die kontemplative Betrachtung dieser Bilder nicht jedermans Sache ist, kann man im Untergeschoss zahlreiche Widukinder in lebhafter Diskussion vor verschiedenen Bildern Renoirs, Degas, Modiglianis und anderen sehen... Kunsterziehung einmal anders!
Draußen hat sich der graue Himmel inzwischen verzogen und zeigt uns eine Place de la Concorde in hellem Licht, was maßgeblich zur ausgelassenen Stimmung beiträgt... Nur böse Stimmen würden behaupten "Nach müde kommt doof...".
Gutes Wetter will genutzt werden und so geht es in das vornehme Viertel rund um den Parc Monceau - in Sichtweite des Arc de Triomphe.
Allerdings ist dieser idyllisch angelegte Park im englischen Stil heute in erster Linie nicht wegen der schönen Parkanlage sondern wegen der unablässig ihre Runden ziehenden Jogger sehenswert... Die armen Leute muss man einfach anfeuern... und so ist es nur der Überzeugungskraft der Lehrperson zu verdanken, dass die Schüler auch noch die restlichen Seiten dieses Parkes zu sehen bekommen... und nicht nur dass: wenn man schon mal da ist, kann man sich doch auch gleich die Straßenzüge des 18. Jahrhunderts anschauen: Augen nach oben und Füße nach vorne... Von wegen, das Wandern sei des Müllers Lust... hier legen tapfere Widukinderkinder eine wahrhaft heiße Sohle aufs Straßenpflaster.
Der frühe Abend vergeht und das tapfere Trüppchen wandelte vorbei an der Gedenkflamme für Lady Di am Tunnel an der Pont de l'Alma (am Hochzeitstag ihres Sohnes doch geradezu der richtige Ort....) hin zum lange ersehnten Ziel des Tages: Hinsetzen - auf dem Deck eines Bâteau Mouche und 70 Minuten lang das sanfte Schaukeln auf der Seine genießen, vorbei an Denkmälern und Bauwerken und den vielen feiernden Jugendlichen an den Quais. Winke winke.... Irgendwann kommen wir wieder und sitzen dort auch - mit einem guten oder weniger guten Roten, etwas Schmackhaftem und ein bisschen schöner Musik. Vive la vie....
22.50: zurück im sicheren Hafen. Schnell noch zum Place Pigalle (schnell geht mit 40 Schülern eigentlich gar nichts...), ein wenig einkaufen, etwas essen und um halb eins dann endlich im Hotel... Bonne nuit, schön leise sein und etwas schneller schlafen.. Um acht Uhr ist Frühstück!

Dritter Tag: Nach einer VIEL zu kurzen Nacht sollte der dritte und letzte Tag unseres Paristrips beginnen. Um viertel nach neun sind alle Koffer im Bus verstaut und über ausnahmsweise freie Straßen fahren wir dem einstigen Mittelpunkt Frankreichs entgegen: Ludwig XIV. wartet schon auf uns - leider auch auf geschätzte weitere 5000 Leute. Schon um halb zehn ist der Hof des Schlosses von Versailles so gefüllt, dass wir kurzfristig unsere Pläne ändern müssen. Während die Fortgeschrittenengruppe direkt in den Garten geht, um dort die Grandes Eaux Musicales zu erleben, macht die Standardgruppe Bekanntschaft mit dem Pflaster vor dem Eingang und genießt zwei Stunden schönsten Sonnenschein vor der Schlossfassade, um danach durch die engen Flure des Inneren gedrückt zu werden.
Unvergleichlich angenehmer ist das Ambiente im Park, wo von 11 bis 12 Uhr die Wasserfontänen aus zahlreichen Brunnen sprudeln und, untermalt von barocker Musik, einen Eindruck von ehemaliger Pracht verströmen.
Der ursprünglich nur zweistündige Aufenthalt wird kurzerhand um eine weitere Stunde erweitert undkönnte auch noch länger dauern ... Aber der nächste Programmpunkt wartet schon auf uns. Allerdings müssen wir dazu Paris einmal quer durchfahren. Nach einer Stunde Zug und Metro erreichen wir die nördliche Banlieue Saint Denis. Hier wollen wir die Basilika mit den beeindruckenden Königsgräbern besichtigen. Bevor wir uns der noch recht strengen Fassade einer der ersten gotischen Kirchen Europas näheren, werden wir durch eine äußerst farbenfrohe afrikanische Hochzeitsgesellschaft aufgehalten. Während das Brautpaar einen Termin beim Bürgermeister hat, beeilen wir uns, die Basilika zu besichtigen, in der sich schon ein recht stimmgewaltiger afrikanischer Chor auf die erwartete Trauung vorbereitete.
Einfach mal ein paar Minuten zu sitzen und den Anfängen der Trauzeremonie zu lauschen, tut nicht nur den Füßen gut, bevor es dann noch einmal zurück mitten ins Leben geht, denn rund um das Centre Pompidou gibt es reichlich Geschäfte, kleine Gassen und Straßen, die erlaufen werden wollen. Freizeit für alle!
Kein Mensch kann sich vorstellen, wie viele Schritte man in drei Stunden machen kann... Da kommt so ein kleines chinesisches Lokal gerade recht, um noch ein Stündchen Kräfte zu sammeln. Interessanterweise scheint es für alle Besucher völlig normal, sich das Essen vom Buffet selbst zu nehmen, um es dann in eine der vier bereitstehenden Mikrowellen zu stellen... Nun ja, auch das sind interkulturelle Erfahrungen...
Der letzte große Programmpunkt soll dann auch der glitzernde Abschluss der Exkursion werden: Eiffelturm by night... im Schneckentempo. Wir wollen das legendäre Blinken der alten Dame erleben, dass jeweils zur vollen Stunde für einige Minuten in Konkurrenz mit den tausenden Blitzlichtern der versammelten Touristenschar tritt. Unser Fahrplan: 20 Uhr Blinken in der Schlange am Boden. 21 Uhr Blinken kurz vor dem Einsteig in den Fahrstuhl. 22 Uhr Blinken in der Schlange auf der zweiten Etage. 23 Uhr Blinken auf der dritten Etage. ... und oben auf dem großen Turm steh’n die Schüler sich die Füße platt... Aber großartig ist es dennoch, ob direkt im Blitzlicht oder um 0.00 auf der Bank am Trocadero in gemessenem Abstand.
Nach nunmehr 15 Stunden auf den Füßen sehnen sich wohl alle nach Erlösung (wer ist eigentlich auf die verrückte Idee gekommen, die beiden letzten Etagen des Eiffelturmes auch noch zu Fuß hinab zu GEHEN??).
0:45 - die letzte Metro - Ausgang Anvers... ein Bus, ein Sitz... Heimat, wir kommen. Todmüde mit brennenden Füßen aber was sind schon ein paar zeitliche Leiden gegen die vielen großartigen Eindrücke und hoffentlich bleibenden Erinnerungen. Paris, je t'aime - und wir kommen wieder: Vielleicht ja nächstes Jahr, wenn wieder ein Kurs fragt: Wann fahren wir eigentlich mal nach Paris…?

Weitere Impressionen / Et encore ...

"Fronleichnams"-Exkursion im Juni 2011

Zwischen Totentanz und Bürokratie

Die „Fronleichnamsexkursion“ nach Paris richtete sich vor allem an die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12. Da die Hälfte der rund 40 Teilnehmer zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Stadt an der Seine gemacht haben, wurde das Programm in einen „Anfänger-„ und einen „Fortgeschrittenen“-Teil getrennt. Aus letzterem hier nun der folgende Bericht:

Tag 1: Nach der üblichen Nachtfahrt mit wenig – viel zu wenig Schlaf - und der ersten Bekanntschaft mit der Pariser Staukultur erreichen wir Paris gegen neun Uhr morgens. Mit der Metro geht es Richtung Innenstadt, wo sich die beiden Schülergruppen dann auf ihre unterschiedlichen Wege machen. Die Fortgeschrittengruppe taucht in die Pariser Untergründe ab und begibt sich ins Reich des Todes. Der Besuch der Katakomben mit den Knochen von rund 10 Mio. Parisern ist beeindruckend – für manchen wohl auch beklemmend.

Eine schnelle Stärkung führt uns dann wieder in das Hier und Jetzt zurück, aber nur für kurze Zeit, bis wir nämlich den zweiten "Todesort" aufsuchen können: auf dem Friedhof des Montparnasse haben wir dann das Vergnügen mit etwas „modernen“ Parisern. Von André Citroen bis Serge Gainsbourg oder Jean-Paul Sartre gibt es einige Persönlichkeiten, deren letzte Ruhestätte wir besuchen.

Wer die großen innerstädtischen Pariser Friedhöfe kennt, weiß, wie weitläufig die Anlagen und wie schwer auffindbar manche Gräber sind und sogelingt es uns leider auch diesmal nicht, Leute wie Dreyfuss oder Maupassant zu finden... Vielleicht ja beim nächsten Mal…

Das Quartier Montparnasse ist der nur scheinbar gelungene Versuch, durch moderne Bauten ein heruntergekommenes Viertel aufzuwerten. Ob der riesige Turm schön ist, mag jeder selber beurteilen. Auf jeden Fall ist es einer der wenigen Orte, wo man die ältere Nachbarin, den Eiffelturm, ganz sehen kann.

Nach einer „shoppingbegleiteten“ Mittagspause am Tour Montparnasse steht ein besonderes Kunsterlebnis auf dem Plan: das Musée Rodin. Schon der Garten ist bei schönstem Wetter ein echtes Erlebnis, auch wenn man nicht sicher sein kann, ob alle Besucher den Wert der hier ausgestellten Skulpturen wirklich ermessen können. Allerdings darf man nach wenig Schlaf und viel Laufen auch gerne mal ein Nickerchen in kunstvoller Umgebung bei strahlendem Sonnenschein machen...

Das heutige Programm klingt aus in der Cité de l’architecture et du partimoine im Palais Chaillot am Trocadéro. Rund zwei Stunden waren mehr als ausreichend für die meisten um sich einen Eindruck über Highlights der französischen Architektur zu verschaffen. Man wandelt durch ganz Frankreich und durchstreift 1000 Jahre Architekturgeschichte ohne vor die Tür gehen zu müssen. Impressionnant!

Als es Richtung Hotel geht – der Bus hatte unsere Sachen schon am Morgen dorthin mitgenommen – zeigt die Uhr Richtung halb zehn Uhr. Schnell (was heißt bei 40 Leuten aber schon „schnell“) noch einen Supermarkt ausplündern und vom Gare d’Austerlitz mit dem Bus ins Hotel, wo die Lehrkraft an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gerät, als sich ein sturer Hotelmensch preußischer gibt als es die Preußen je waren. An diesem Abend kommen einigen Teilnehmern wirklich Zweifel, ob man noch länger frankophil sein möchte... Bah! Nur so viel: der einzige Termin, den man uns zum Frühstück anbieten wollte/konnte, war 6.30. Nach einer halben Stunde böser – sehr böser – Diskussion verzichten wir dann auf das Frühstück und die Lehrkraft ist froh, dass ihr zu später Stunde der größte Teil ihrer französischen Schimpfwörter nicht mehr einfällt. Andernfalls müsste die Gruppe heute Nacht sicherlich Bekanntschaft mit den Obdachlosen unter den Seinebrücken machen. Zur Belohnung darf der Exkursionsleiter dann – pure Schikane oder meditative Übung – 40 Briefumschläge öffnen, in denen sich jeweils 15 Euro Kaution befinden... Man müsse schließlich überprüfen können, „ob die Summe auch wirklich stimme“. Der Einwand, dass da in allen anderen Etap-Hotel bislang immer so funktioniert habe, wird mit einem lapidaren „Tja, einmal ist immer das erste Mal“ hinweggefegt...

Kurz nach Mitternacht ist dann dieser erste Tag für den Lehrkörper beendet (Dass das für Teile der Gruppe anders war, wird erst sehr viel später verbreitet. Aber das ist eine andere Geschichte…). Im Sinne des Tagesprogrames hätte man sagen können: „Ruhe sanft“.... Der Wecker um 6.30 ist dann in der Tat wie die Posaune zum Jüngsten Gericht... Aber auch ein gallischer Hahn hätte nichts daran geändert: Tag II wird eingeläutet – irgendwie zu früh.

Der zweite Tag beginnt traditionell mit der Stadtrundfahrt: leider ist unser Busfahrer das erste Mal mit einem Bus in Paris und als echter „Englishman“ ein bisschen verloren unter all den frogs. Kurz und gut (oder eher nicht so gut), die Fahrt durch die Stadt zieht sich – auch wegen des hohen Verkehrs etwas in die Länge und treibt dem wegweisenden Beifahrer deutlich mehr Schweiß auf die Stirn als dem immer ruhig bleibenden und extrem entspannten Chauffeur. Der hatte aber immerhin am Morgen ein Frühstück. Kunststück, wenn man um 8 Uhr zum Frühstück gehen darf... Zum Glück hat im angrenzenden Einkaufszentrum gerade noch rechtzeitig ein Bäcker seine Pforten geöffnet. Einfach phantastisch, wenn die Croissants, Schokobrötchen und diversen anderen Leckereien noch warm in die Tüte kommen... Mehr davon bitte...
Mit knapp halbstündiger Verspätung wird die Fortgeschrittenengruppe am Panthéon herausgelassen und steigt – erneut – ins Totenreich hinab, diesmal zu den großen Männern (und den wenigen großen Frauen) Frankreichs. Immerhin ist diesmal das Foucaultsche Pendel in Betrieb und schwang sachte hin und her. Auch sehr beruhigend wenn man eh schon kurz vor dem Koma steht..
Anschließend entschließt sich die Gruppe, dem Rat der Lehrkraft zu folgen und das Mittagessen in gepflegter Atmosphäre im Restaurant „Tire-bouchon“ einzunehmen, was auf gut deutsch „Korkenzieher“ heißt. Bei diesem Namen ist das Gläschen Roter, Weißer oder Rosé geradezu obligat (interkulturelles Lernen!) und unterstützt bestens das schmackhafte Essen. Salat, Ziegenkäsetaler, Schnecken, Wurstteller oder Terrine leiten ein zu Fleischspießen, Seeteufel, Hühnchen und anderem. Die Krönung aber ist der Schokoladenkuchen! Die Crème Caramel findet ebenfalls Abnehmer und die Mousse au chocolat ist wohl auch nicht zu verachten... Nicht zu verachten ist vor allem der Preis: 12 Euro incl. Getränk für ein echtes Drei-Gänge-Menu sind unschlagbar. So gefällt interkulturelles Lernen!  Dazu gesellt sich eine nette Bedienung und eine ebensolche Umgebung in der rue de Descartes, dem oberen Teil der rue de Mouffetard. Der sich anschließende Verdauungsspaziergang führt die sich in der Wachstumsphase befindlichen Adolescenten erst in eine Bäckerei und dann in eine Eisdiele, deren Kreationen sowohl optisch als auch geschmacklich überragende Qualität haben.
Nach so viel profanem Genuss muss ein geistiger Ausgleich her: Auf zu den monumentalen Seerosenbilder Monets in der Orangerie!
Doch vor den Eintritt haben die französischen Götter die Bürokratie gesetzt: Anders als beim letzten Mal, gibt es diesmal keine Schlange. Also gehen wir direkt zum Eingang und wollen durch die Sicherheitskontrolle. Doch halt: ein aufmerksamer Aufseher mutmaßt, wir wären eine Gruppe. Jawohl, stimmt, allerdings eine nicht angemeldete. Also alle wieder zurück und draußen an den Rand gestellt. Der Gruppenleiter nehme alle Personalausweise und begebe sich zur Kasse. Der Einwand des Lehrkörpers, dass die Schüler – für die der Eintritt frei ist – beim letzten Mal nur ihren Ausweis zeigen mussten, um in die Ausstellung zu kommen, wird konsequent, wenn auch charmant, mit einem „das kann nicht sein“ abgehandelt. Als ob sich ein Lehrkörper irren könnte... Also gut, alle Pässe in der Hand zügig zur Kasse und die Freitickets geholt. Nun kann es losgehen.. Weit gefehlt! Als nicht angemeldete Gruppe werden nämlich immer nur 5 Personen gleichzeitig hineingelassen. Warum?? Damit es mit den anderen Besuchern keinen Stau gibt. Einwand der Lehrkraft: Aber wir haben doch in der Schlange gestanden (auch wenn es keine Schlange gab). Antwort: Vorschrift ist Vorschrift. Allerdings werden in der Zeit, in der wir warten müssen, rund 30 andere Leute aus der sich bildenden Schlange vorgelassen. Merke: nur weil wir 20 Leute ohne Anmeldung sind und zufällig alle zusammen gehören, müssen wir warten, während 30 andere Personen, die nicht zusammen gehören, gleichzeitig reingelassen werden. Immerhin konzediert der sehr charmante Aufseher am Eingang, dass das keinen Sinn machen würde, allerdings sei man angehalten, diese Regel streng anzuwenden...Und da sagt man immer, die Deutschen wären so ordnungsliebend und kleinlich...Die Römer würden jetzt sagen: Beim Jupiter, die spinnen, die Gallier ...
Endlich sind also nun alle Kinder drin. Alle? Nein, eine kleine Gruppe von zwei Schülern muss feststellen, dass es in französischen Museen verboten ist, Glasflaschen in Rucksäcken hineinzuschmuggeln. Man solle den edlen Rebensaft einfach draußen ausschütten oder wegstellen. Oh weh! Eine solche Missachtung französischer Qualitätsproduktion kann die unerschütterlich frankophile Lehrkraft nicht zulassen und erbarmt sich, statt in kontemplativer Einkehr vor den Seerosenbildern zu versinken, auf andere Naturgewächse aufzupassen – natürlich in der Hoffnung, für diesen selbstlosen Einsatz angemessen belohnt zu werden. Die Museumsaufsicht hätte das Problem ganz pragmatisch geregelt: „Es sind doch die Flaschen der Schüler... dann müssen sie eben draußen bleiben.“  Wahrhaft pädagogischer Eifer ist eben immer selbstlos..
Bereits knappe 40 Minuten später (hier merkt man das Fehlen der motivierenden Hand des Lehrkörpers) wechseln die Glasbehältnisse wieder ihren Besitzer und der Tross setzt sich – gesättigt von all der geistigen Erbauung – in Bewegung, um – gar nicht einfach - mitten im Zentrum von Paris einen Supermarkt und eine Bäckerei für den Erwerb picknick-kompatibler Lebensmittel zu finden. Also zurück durch den Tuilerien-Garten, den ganzen Louvre ent-lang und siehe da: ein Franprix und schräg gegenüber ein Bäcker. Wie für uns gemacht. Brot, Käse, Wein, Wurst und mehr finden den Weg in die ohnehin schon schweren Rucksäcke, die dann ihrerseits den Weg zur Pont des arts finden, unter der wir unser Lager aufschlagen und, die Füße von der Quaimauer baumeln lassend, dem süßen Nichtstun frönen. Vorbeifahrende Boote werden freundlich gegrüßt, mangelhaft ausgestatteten Franzosen auch schon mal ein Korkenzieher ausgeliehen und ansonsten können sich die Füße ein wenig erholen. Lediglich der, ein Geschäft witternde, Rosenverkäufer hat die Rechnung ohne den Justin gemacht. Als echter Verhandlungsfuchs lässt er sich nicht über’s Ohr hauen und der irritierte Südländer darf seine Rosen wieder einpacken. Tja, mit Justin sollte man sich nicht anlegen ;-)
Nachdem sich gegen 21 Uhr auch die „Anfänger“ aus dem Louvre zu uns gesellt haben, um sich ein wenig zu erholen, geht es mit der langsam sinkenden Sonne in Richtung Pont de l’Alma, wo uns die Boote zur Lichterfahrt erwarten soll. Da eine Lichterfahrt aber erst Sinn macht, wenn es dunkel ist, können wir uns reichlich Zeit lassen. Dummerweise kommen dann immer wieder Verzögerungen in Form von zu suchenden Erleichterungs- und Bedürfnisanstalten dazwischen, so dass wir dann mit Ach und Krach genau 4 Minuten vor Abfahrt des letzten Bootes um 23 Uhr durch die Absperrungen sprinten müssen. Geschafft! Und noch mal eine Stunde ausruhen und schauen und die Erfahrung machen, dass die Fahrt auf dem Boot egal zu welcher Jahreszeit immer irgendwie kalt ist. Im Februar haben wir jedenfalls auch nicht viel weniger gefroren. Uns wird klar, warum die Queen immer einer Decke, sorry, einen plaid, über dem Schoß hat, wenn sie im offenen Wagen fährt...
Mitternacht in Paris. Von Ruhe keine Spur und auch beim Lehrkörper macht sich langsam Unruhe breit, ob wir noch einen Bus am Gare d’Austerlitz zu unserem Hotel bekommen würden. Immerhin, der Weg vom Boot bis zum Bahnhof, also gewissermaßen von B nach B, sollte uns schlappe 50 Minuten kosten (man nennt das wohl das Gesetzt von der Trägheit der Masse...). Kurz und gut: wir haben es geschafft und erreichen 10 Minuten vor Abfahrt des wirklich letzten Busses um 1:05 die Haltestelle. Eine viertel Stunde später leuchtet das Hotelschild vor uns auf und nachdem die Rezeptionistin uns noch die Frühstückskarten für Samstag ausgehändigt (und zum großen Teil noch handgemalt) hat, zeigt der letzte Blick auf die Uhr 1:45... Viertel vor zwei – Tag vorbei.
Frühstück um 7:30!

Tag 3

Wie man sich nach viereinhalb Stunden Schlaf fühlt? Unbeschreiblich! Die Gallier hatten Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf stürzte. Beim Weckton des Handys hat sich nicht nur die Lehrkraft ziemlich gallisch gefühlt...
Noch vor dem Frühstück schnell den Koffer gepackt und um 7:30 in den Frühstücksraum, um das einzige Frühstück in diesem Hotel einzunehmen. Pferde können im Stehen schlafen, Schüler und Lehrer können auf jeden Fall beim Essen schlafen oder beim Schlafen essen...
Der Bus ist dann auch mit einer viertel Stunde Verspätung nach Versailles aufgebrochen – mit uns und unserem Gepäck oder doch eher mit unserem Gepäck und den Schatten unserer selbst. Der kleine „Verfahrer“ auf der Autobahn hat uns noch einmal ca. 10 Minuten mehr Fahr-/Ruhezeit eingebracht doch dann hieß es unweigerlich: Aussteigen – und zwar ziemlich schnell an einer roten Ampel vor dem Schloss von Versailles. Wow, das ging ganz schön schnell. Alle wieder wach – also frohen Schrittes zum Schloss hoch und hinein in den Park.
Samstags wird der Park mit barocker Musik vom Hofe Ludwigs XIV. beschallt und die Brunnenanlagen speien ihr Wasser in die Höhe. Wenn man sich die vielen Menschen wegdenkt und die Augen schließt, möchte man meinen, Seine Majestät käme um die nächste Ecke.
Eigentlich war der Plan, zwei Stunden auf einer schönen Marmorbank zu sitzen, den erhebenden Klängen zu lauschen und die Blumenpracht zu genießen. Und was ist gewesen? Zwei Stunden Laufen und Laufen. Zwölf Uhr – noch 11 Stunden.
Wie also die Zeit ausfüllen? Zum Bahnhof gehen und erst mal Gershwin nachspüren: Ein Amerikaner in Paris. Unser hieß in diesem Fall irgendwie schottisch und hatte Hamburger im Angebot. Wirklich international! Dann eine Stunde Bahnfahren und in Saint-Denis aussteigen. Willkommen in der nördlichen Banlieue, in die wir wegen der Basilika, einer der ersten gotischen in Frankreich, gefahren sind. Eine weitere Stunde, um die Königsgräber zu besichtigen. Noch achteinhalb Stunden. Nebenbei noch eine Lektion in französischer Literatur: ein uriger Franzose, der an einem Tisch mitten auf dem Platz vor der Basilika saß, hat uns eingeladen, ein wenig französischer Lyrik zu lauschen. Hier, für alle, die ihr eingerostetes Französisch aufpolieren möchten, eine Kostprobe aus Victor Hugo’s „Contemplations“:
On vit, on parle, on a le ciel et les nuages

Sur la tête; on se plaît aux livres des vieux sages;
On lit Virgile et Dante; on va joyeusement
En voiture publique à quelque endroit charmant,
En riant aux éclats de l'auberge et du gîte;
Le regard d'une femme en passant vous agite;
On aime, on est aimé, bonheur qui manque aux rois!
On écoute le chant des oiseaux dans les bois
Le matin, on s'éveille, et toute une famille
Vous embrasse, une mère, une soeur, une fille!
On déjeune en lisant son journal. Tout le jour
On mêle à sa pensée espoir, travail, amour;
La vie arrive avec ses passions troublées;
On jette sa parole aux sombres assemblées;
Devant le but qu'on veut et le sort qui vous prend,
On se sent faible et fort, on est petit et grand;
On est flot dans la foule, âme dans la tempête;
Tout vient et passe; on est en deuil, on est en fête;
On arrive, on recule, on lutte avec effort... --
Puis, le vaste et profond silence de la mort!
Welches Gedicht hätte den nekrophilen Charakter dieser Exkursion besser auszudrücken vermocht...?
Doch noch war das Ende ja nicht erreicht. Nach einer knappen halben Stunde Fahrt („Lassen Sie uns hier wegfahren, hier ist es unheimlich...“) erreichen wir das Zentrum, machen ein kurzes Sonnenbad auf der Place des Vosges und wandern fröhlich durch das Quartier Marai, wo wir auf ebenso fröhliche Menschen – Männer - stoßen. Fahnen und bunte Luftballons zeigen den Weg mitten in den diesjährigen Gaypride de Paris. Wenn das mal kein Kontrastprogramm zum ansonsten eher düsteren Totentanz ist...?!
Und noch einmal Freizeit. Statt sitzen weiterlaufen – die Füße wollen schließlich beschäftigt werden.
Noch drei Stunden. Auf nach Montmartre! Am Place Pigalle schnell noch einkaufen und dann hinauf auf den Berg. Was passiert, wenn man sich auf die Wegweisung eines Schülers verlässt? Klar, man findet garantiert den anstrengenderen Weg und viele Treppen... aber immerhin landen wir direkt vor Sacré Coeur. Noch einmal eine Stunde Freizeit: schnell (dieses Wort scheint irgendwie symptomatisch zu sein....) noch die letzten Souvenirs eingepackt, ein wenig den Malern auf der Place du Tertre über die Schulter geschaut, und ein letztes Verschnauferl auf den Treppen vor der Basilika. 23 Uhr! Soll man sagen „endlich“? Nein, das sicher nicht, aber die Aussicht auf einen Schlafplatz im Bus ist schon verlockend. Bis dahin heißt es, noch ein bisschen warten, denn unser Mr. Bob steht an der falschen Metrostation, was bei dem Verkehr noch um diese Uhrzeit eine halbe Stunde Verspätung bedeutet. Egal, das schaffen wir auch noch. Und dann ist es endlich soweit: 40 Engeraner zeigen, wie man in 20 Sekunden in einen Bus springen kann, der verbotenerweise auf der Busspur parkt. Das wäre noch mal eine Wette für Wetten dass...
Eine knappe halbe Stunde später herrscht Ruhe – Totenruhe – im Bus. Bis Enger ändert sich daran auch nur wenig. Um kurz nach halb neun erreichen wir das WGE. Alles ist etwas ruhiger, etwas kleiner, etwas verkehrsärmer als in Paris... und das ist auch gut so!
Ob alle glücklich und zufrieden sind? Die meisten wohl doch und wiederkommen wollen viele auch noch einmal und das ist doch schließlich die Hauptsache, oder?