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Austausch

Das Widukind-Gymnasium pflegt einen Schüleraustausch mit dem Collège de Coublevie in Voiron. Dieser Austausch ist Teil des Fahrtenprogramms der Schule und steht den Französisch-Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen offen.
Er besteht aus einer jeweils einwöchigen Hin- und Rückbegegnung. Im Vorfeld der Begegnungen kommunizieren die Schülerinnen und Schüler über Briefe, um sich so schon einmal kennenzulernen.
Nachstehend ein Bericht über diese besondere Aktivität.

30 Jahre Partnerschaft Enger-Voiron

Bereits seit 1966 besteht eine Partnerschaft zwischen Voiron und dem Kreis Herford, und 1980/81 nahm der von Hartmut Steffen und Geneviève Vanackère ins Leben gerufene Schüleraustausch mit dem Collège de Coublevie seinen Lauf. Mittlerweile sind beide pensioniert, aber weiterhin fahren jedes Jahr aufs Neue ca. 25 Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen nach Voiron, einer Kleinstadt etwa 25 km nordwestlich von Grenoble. Dort verbringen sie 9 bis10 Tage in ihren französischen Gastfamilien und erwidern damit den Besuch ihrer Austauschpartner, die ein halbes Jahr zuvor Gast in ihren Familien waren.
Mittlerweile dürften wohl an die 1000 Schülerinnen und Schüler des WGE an diesem Austausch teilgenommen haben. Waren es anfangs 30 – 40 Teilnehmer pro Frankreichfahrt, so hat sich die Zahl in den letzten Jahren wegen der immer mehr zurückgehenden Zahl der Deutschschüler in Frankreich auf ca. 25 Teilnehmer eingependelt. Da der Austausch auf Gegenseitigkeit beruht, müssen wir leider immer wieder interessierten Schülern eine Absage für den Austausch erteilen, da wir nicht genügend Austauschpartner auf französischer Seite finden können.
Vorbereitet, organisiert und begleitet wird die Fahrt von den FranzösischlehrerInnen der 8. (früher 9.) Klassen des WGE sowie auf  französischer Seite von Gisela Genton, der (einzigen!) Deutschlehrerin an unserer Partnerschule.
So kamen zum 30. Austausch-Jubiläum im Dezember 2010 sechsundzwanzig französische Schülerinnen und Schüler in eine deutsche Gastfamilie und erlebten hier auf vielfältige Weise die stimmungsvolle Vorweihnachtszeit mit einer Nikolausfeier in Deutschland. Zwei Jahre zuvor hatten sich die deutschen und französischen Schüler bereits per Briefkontakt oder E-Mail kennen gelernt. Im April 2011 fuhren dann die Deutschen zu ihren Austauschpartnern nach Voiron. Obwohl die Schüler sich bereits persönlich kennen, steigen Spannung und Nervosität vor der Begegnung immens an, je näher man dem Zielort kommt: Wie wird meine Gastfamilie sein? Wie werde ich sie verstehen können? – Diese Fragen umkreisen die Gedanken kurz vor der Ankunft.
Endlich angekommen, wird man mit „bises“ (Küsschen rechts und links) begrüßt und die ersten Sprachversuche werden unternommen. „Comment ça va?“ Na, es geht doch. Und schon taucht man für die nächste Zeit in ein Wechselbad der Sprachgefühle ein.
Fragt man nach den Gründen, weshalb sich unsere Schüler auf die 14-stündige, anstrengende Busfahrt machen, so wird schnell klar, dass ein großes Interesse an der französischen Sprache, der französischen Kultur und eine große Neugier auf die Franzosen an sich dahinter stecken. Es ist einfach ungeheuer spannend zu erfahren, wie die Familien der Austauschpartner leben, wie sie wohnen, was sie essen, wie der französische Schulalltag aussieht. Nicht alle Franzosen essen ständig Froschschenkel und Austern!
Vor allem in sprachlicher Hinsicht profitieren alle Teilnehmer sehr davon, sich im französischsprachigen Ausland im Alltag in der Gastfamilie und in der Schule behaupten zu müssen. Fällt die Verständigung am ersten Tag auch noch sehr schwer, so gewöhnt man sich doch schnell an die neue Umgebung, lernt ganz locker viele neue Vokabeln hinzu, auch mal einige Schimpfwörter, die man im normalen Unterricht so schnell nicht gelernt hätte. Und am Ende des Austausches kommt es dann schon mal vor, dass man nicht mehr weiß, wie eine bestimmte Sache auf deutsch heißt, und man nur noch den französischen Begriff kennt.
Die landschaftlich sehr schöne Umgebung Voirons trägt dazu bei, unvergessliche Erinnerungen an den Aufenthalt in mitzunehmen. Voiron wird eingefasst vom Bergmassiv des Vercors im Süden, und im Osten vom Massif de la Chartreuse. Im weiteren Umfeld gibt es weitere alpine Berggipfel mit teils über 3000 m Höhe, z.B. das Massif Belledonne.
Das Vercors ist heute durch einige exklusive Skistationen bekannt, im Zweiten Weltkrieg war es die Hochburg der französischen Widerstandsbewegung (Résistance) und Schauplatz vieler blutiger Kämpfe zwischen Franzosen und Deutschen. Die heutigen deutsch-französischen Austauschbeziehungen tragen also auch mit zur Völkerverständigung bei.
Einer der Höhepunkte der Besuche beim Austausch sind immer wieder die Grotten von Choranche, eine Ansammlung von großen Tropfsteinhöhlen, die aufgrund der Kreideformationen des Vercors entstanden sind. Viele hohe, hauchdünne Stalaktiten, die sehr an Makkaroni erinnern, ragen bis zu 3 m von der Decke herab. Außerdem treffen sich unterirdisch zwei Flüsse in einem Höhlensee, ein einmaliges Phänomen in Europa.
Aber auch Voiron selbst hat einiges zu bieten: z.B. „rendez-vous“ mit den „copains“ zum Bowling oder Picknick in einem der wunderschönen Parks, Verabredungen treffen zum Shoppingbummel im gemütlichen Zentrum der Kleinstadt Voiron.
Bei einem Besuch Voirons ist der Marktbesuch am Mittwoch oder am Samstag ein absolutes Pflichtprogramm, bietet er doch, angefangen mit dem Verkauf von Küken und anderen Kleintieren über ein fantastisches Angebot an Käsesorten, Wurst und Gemüse/Obst bis hin zu Bekleidung, Taschen, CDs und DVDs, eine gelungene Mischung von Verkaufsständen, die unsere deutschen Schüler in dem Ausmaß meist nicht kennen.
Auch die Grande Chartreuse steht immer auf dem Ausflugsprogramm: der Besuch der Destillerie in Voiron, deren Mönche seit 1737 aus 130 ausgewählten Kräutern einen hochprozentigen Likör herstellen, der dann 5 Jahre in großen Eichenholzfässern reifen muss. Das genaue Rezept für die Herstellung dieses Likörs wird jeweils nur drei Karthäusermönchen anvertraut, die nie gemeinsam in ein Auto steigen dürfen oder gemeinsam ein Flugzeug benutzen dürfen. Erst nach dem Tode eines Mönches wird es an ein anderes Mitglied des Karthäuserordens übergeben.
Weitere Highlights sind die Ausflüge nach Grenoble und Lyon. Grenoble als Hauptstadt des französischen Départements Isère ist vielen als Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1968 bekannt und gilt als beliebte Universitätsstadt. Die „Bulles“, eine kugelförmige Seilbahn über den Fluss Isère, die zu den Resten der Festung La Bastille führt, bieten einen reizvollen Blick aus luftiger Höhe auf das Stadtbild von Grenoble.
Auch die Großstadt Lyon (472.000 Einwohner), nach Paris und Marseille die drittgrößte Stadt Frankreichs, hat mit dem gut erhaltenen römischen Theater und der gemütlichen Altstadt für den Touristen sehr viele schöne Plätze im Angebot, z.B. auch die Basilika Notre-Dame de Fourvière, die die ganze Stadt überragt.
Lyon gilt als Zentrum der Seidenindustrie, als Bankenzentrum ( Credit lyonnais) und als „ville de gueule“, das heißt als „Gaumenstadt“, was auf die kulinarischen Spezialitäten dieser Stadt hinweist. Paul Bocuse lässt grüßen.
Neben diesen Ausflügen in die Umgebung Voirons ist selbstverständlich der Besuch der französischen Partnerschule Teil des Austauschprogramms. Die deutschen Schüler lernen französische Ganztagsschule bis 17 Uhr kennen (danach Hausaufgaben!!!), sie erfahren, dass französische Collèges von einer Mauer mit einem Eingangstor umgeben sind, welches vom Hausmeister mit einer Klingel bedient wird, und lernen eine doch etwas strengere Schuldisziplin als bei uns in Deutschland kennen. Hospitationen im französischen Unterricht gehören immer zum Austauschprogramm. Eine Unterrichtsstunde in Frankreich dauert 55 Minuten, und anschließend wandern nicht die Lehrer zu ihrem nächsten Klassenraum, sondern die Schüler.
Nach dem Austausch sehen viele Schüler ihr Schülerleben in Deutschland doch sehr viel positiver als vor der Reise.
Bei gemeinsamen deutsch-französischen Projekten in der Schule, z.B. Backen von französischen Spezialitäten (Quiche lorraine, gâteaux aux noix, tartre aux citron), Bedrucken von T-Shirts und Erstellen einer Dokumentation zum deutsch-französischen Austausch, bietet sich immer wieder Gelegenheit, mit den französischen Partnern gemeinsam an einem Thema zu arbeiten und dabei die vorhandenen sprachlichen und landeskundlichen Kenntnisse zu erweitern.
Am Ende steht allen – eigentlich immer – ein tränenreicher Abschied bevor. Wehmut kehrt auch häufig bei den französischen Eltern ein, die sich in der kurzen Zeit an ihren Gast gewöhnt haben und ihn vermissen werden. Desgleichen hören wir auch oft von unseren deutschen gastgebenden Familien beim Abschied von ihrem französischen Austauschschüler.
Auch beim Gegenbesuch der Franzosen in Enger stehen neben dem Schulbesuch einige Exkursionen und Projekte auf dem Programm.
Je nach Jahreszeit für den Besuch der Franzosen in Enger bieten sich Fahrten zum Weihnachtsmarkt nach Münster oder Bremen, eine Besichtigung der Städte Hameln, Osnabrück, Papenburg mit der Meyer-Werft, Herford ( Herforder Pils-Brauerei) etc. an. Auch Museen wie z.B. das Universum in Bremen oder das Nixdorf-Museum in Paderborn sind interessante Reiseziele, ebenso wie z.B. der Besuch des Hermannsenkmal und des Freilichtmuseums in Detmold.
Eine Stadtrallye durch die Straßen Engers und ein Besuch beim Bürgermeister im Rathaus helfen den Franzosen dabei, sich in Enger schneller zurechtzufinden und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Engers kennen zu lernen.
Auch in Enger werden gemeinsame deutsch-französische Projekte organisiert, wie z.B. der Vergleich, wie Weihnachten in Deutschland und Frankreich gefeiert wird, welche Traditionen im jeweiligen Land bestehen, das gemeinsame Singen von deutsch-französischen Weihnachtsliedern und das Backen von köstlichem Gebäck für eine Nikolausfeier, oder z.B. die Erforschung von typischen Vorurteilen und Klischees gegenüber dem jeweiligen Nachbarland anhand von Interviews in Enger. Alle diese Projekte dienen dazu, sich besser kennen zu lernen, gemeinsam von einander und miteinander zu lernen, und natürlich auch viel Spaß miteinander zu haben.

Evaluation des Voiron-Austauschs

Nach 30 Jahren Austausch mit Voiron können wir ein sehr positives Résumé ziehen: Die deutschen SchülerInnen sind immer wieder begeistert von der Gastfreundschaft und dem Engagement der französischen Gastfamilien, um ihrem Gast den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten. Und umgekehrt gilt dasselbe für die französischen AustauschschülerInnen als Bewertung ihres Deutschlandaufenthaltes.
Abschließend sollen noch einige Zitate aus den mit viel Liebe und Sorgfalt gestalteten Tagebüchern, die die Schüler nach ihrem Aufenthalt in Voiron anfertigen, die Einschätzung des Schüleraustausches aus der Sicht der Schüler dokumentieren. Das persönliche Fazit der meisten Schüler nach dem Voiron-Aufenthalt lässt sich wie folgt zusammenfassen: „Es hat sich voll gelohnt, die Familie war so nett, das Essen so lecker, die Landschaft und die Städte so schön, ich verstehe und spreche schon mehr Französisch und werde bestimmt wiederkommen.“

Madeline: Je pense que l’échange a été un succès. Les excursions ont été super et très intéressantes. Mais il y a une chose qui est mauvaise. L’échange devrait prendre deux semaines.

Katharina: Je suis très contente avec le voyage, c’était super. Maintenant je parle mieux le français qu’avant. Au début c’était très dur d’être dans une famille française qu’on ne connaît pas. Mais après la semaine, on est une partie de la famille. Les Français et leurs familles me manquent.

Larissa: J’aime la famille de mon correspondant et je pense que la mère d’Antoine était très heureuse qu’elle avait une fille à l’échange parce qu’elle a deux garçons. C’est un très bon temps que j’ai passé dans la famille. La France est super. J’aime bien. Vive la France. Je pense que l’école en France est plus stricte qu’en Allemagne. Dans les cours, il y a toujours du silence quand le professeur parle. Mais en Allemagne tous les élèves parlent, parlent et parlent.

Gina: Il était parfois difficile de parler français. J’étais heureuse de connaître la famille de Jeanne. Le voyage en France a été une belle expérience. J’ai appris beaucoup sur la culture française. Le voyage à Voiron est une belle tradition qui doit être maintenue.

Loreen: Ma famille était très sympa. Je trouve que les parcs en France sont très jolis et ils sont plus jolis que les parcs en Allemagne. Aujourd’hui c’est la dernière journée. C’est dommage.

Isabel: Maintenant je sais comment est la vie en France et je connais beaucoup de Français sympas. Donc le séjour était très intéressant pour moi: Je suis très heureuse que je suis allée en France. Moi, je veux conseiller à chaque personne d’aller en France. Peut-être je vais retourner en France et rendre visite à Marlène et aux autres Français.

Florian: Le fait que nous avons fait beaucoup de voyages, j’ai trouvé ça très bien. L’échange a été très agréable et  a fait beaucoup de plaisir. La famille était très gentille. Le jour du départ: nous étions tous très tristes et nous avons pleuré.

Sebastian: Je trouve que c’est génial. J’ai beaucoup de nouveaux amis, mais je trouve que c’est trop court. A la fin j’ai parlé bien le français …… L’échange  est drôle et intéressant….Je voudrais faire encore une fois l’échange.

Sophie: L’échange en France était très, très bien. Le voyage était intéressant, impressionnant et informatif. On pouvait apprendre beaucoup de nouvelles choses et de parler plus vite. On voyait comment et où les Français vivent, leur mode de vie et la belle région avec beaucoup de montagne.

Ann-Kathleen: J’ai aimé les excursions qu’on a fait à Voiron mais je pense que les jours  en classe sont très longues pour les élèves français.

Aileen: Moi, je trouve que le voyage en France était très bien. On faisait beaucoup de petits voyages et on voyait la région. Les familles sont très sympas et nos corres aussi. Nous faisions beaucoup de choses ensemble et nous avions un très bon temps. On rigolait et on parlait le français.

Dominik: L’échange a été super et très très drôle.

Die oben aufgeführten Schülerzitate zeigen deutlich, dass viele SchülerInnnen wertvolle Erfahrungen in Frankreich mit ihren Austauschpartnern gemacht haben, neue Freunde gefunden haben, sich mit neuen Lebenssituationen auseinander gesetzt haben, und sicherlich auch durch den Austausch in ihrer Persönlichkeit gereift sind.
Wir wünschen, dass der Austausch weiterhin mit so viel Engagement und Begeisterung von den nächsten Schülergenerationen und deren Familien erlebt und gelebt wird. Wir hoffen auf weitere 30 Jahre Austausch mit Voiron in der Zukunft und freuen uns schon auf den Besuch in Voiron im März 2012.