Förderprojekt "Schülerinnen und Schüler helfen Schülerinnen und Schülern" am Widukind-Gymnasium Enger




Der Stein des Anstoßes

Seit den Halbjahrszeugnissen 2003/2004 gibt es in Nordrhein-Westfalen die Regelung, dass bei mangelhaften Leistungen auf dem Zeugnis eine Förderempfehlung ausgesprochen werden muss. Den Schülerinnen und Schüler werden ihre Schwächen im Einzelnen aufgelistet und sie werden beraten, wie sie diese beseitigen können. Doch stehen die Schülerinnen und Schüler in der Regel mit diesen Empfehlungen allein da, wenn die Eltern nicht in relativ teure private oder professionelle Nachhilfe investieren. Der Boom der Nachhilfeinstitute zeigt, dass die Eltern die Ausgaben angesichts des schulischen Misserfolgs ihrer Kinder nicht scheuen. Jedoch zeitigen die Investitionen nicht immer Erfolge, wie die Beobachtungen aus der Praxis zeigen.Unser Anliegen war daher, Schülerinnen und Schüler mit Schwächen über den Unterricht hinaus auf ihrem Lernweg zu begleiten und die Förderung ganz eng an ihre Bedürfnisse zu knüpfen um sie in den einzelnen Fächern erfolgreich und kostengünstig fördern zu können. Als Tutorinnen und Tutoren sollten ältere Schülerinnen und Schüler fungieren, die sich auf diese Weise ein zusätzliches Taschengeld verdienen können.


Die Grundzüge unseres Projekts


Koordination des Projekts:

Die Betreuungslehrerinnen sind nicht nur als Beraterinnen tätig, sondern koordinieren auch die Vermittlung von Tutorinnen und Tutoren und ihren Zöglingen. Es wird besonders auf die Wünsche der Schülerinnen und Schüler eingegangen. Dabei ist besonders wichtig, dass die Tutorinnen und Tutoren nicht in Jahrgängen eingesetzt werden, in denen sie sich das Unterrichten nicht zutrauen. Zuweilen können aber auch Ortswünsche berücksichtigt werden. Die Besprechungen mit den Tutorinnen und Tutoren finden größtenteils in der Fördersprechstunde statt, die zweimal wöchentlich in den großen Pausen in einem speziellen Raum stattfindet. Hier besteht auch die Gelegenheit, über eventuell auftretende Probleme zu sprechen und sie gemeinsam zu lösen.


Die Tutorinnen und Tutoren beginnen mit der Arbeit:

Die Tutorinnen und Tutoren kontaktieren die jüngeren Schülerinnen und Schüler entweder persönlich oder telefonisch. Sie vereinbaren Termine und Treffpunkte. Die Übungsstunden finden entweder in der Schule oder privat statt. Die Preise sind aus Gründen der Gerechtigkeit festgelegt. Die Tutorinnen und Tutoren erkundigen sich bei den zuständigen Fachlehrerinnen und -lehrer über den Unterricht sowie über spezifische Defizite der Schülerinnen und Schüler. Diese Vernetzung ermöglicht einen genauen Zuschnitt des Nachhilfeunterrichts auf den jeweiligen Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler sowie auf die spezifischen Anforderungen des aktuell behandelten Unterrichtsstoffs, in den Fremdsprachen z.B. in den Bereichen Grammatik, Inhalt und Textproduktion zur speziellen Vorbereitung auf Klassenarbeiten. Die Nachhilfelehrerinnen und -lehrer sind gehalten, regelmäßig Rücksprache über Lernerfolge ihrer Schülerinnen und Schüler zu erteilen.


Dokumentation:

Die Tutorinnen und Tutoren halten auf einem Dokumentationsbogen knapp fest, was sie in den einzelnen Stunden behandelt haben. Auf dessen Basis erhalten sie ein Zertifikat über ihre geleistete Arbeit.


Eine Rückschau auf die ersten dreieinhalb Jahre

Das Projekt lief zunächst als Pilotprojekt in den Fächern Englisch und Französisch an. Sieben Kolleginnen kümmerten sich anfangs um den Aufbau des Projekts und vor allem um die Betreuung der Tutorinnen und Tutoren. Der hohe Personalaufwand konnte so im laufenden Jahr nicht gehalten werden, stattdessen betreuen zurzeit zwei Kolleginnen das Projekt. Dabei sind die Fächer Englisch und Mathematik besonders gefragt. Der Bedarf in Latein und Französisch ist verhältnismäßig geringer, weil nur jeweils ein Teil der Schülerinnen und Schüler diese Fächer anwählen.

Für uns erstaunlich und zugleich ein glücklicher Umstand war, dass sich die Anmeldungen der Tutorinnen und Tutoren mit denen der Nachhilfeempfängerinnen und -empfänger in etwa die Waage hielten. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die Zahl der Anmeldungen durch die direkte Ansprache der Schülerinnen und Schüler deutlich gesteigert werden kann. Viele Schülerinnen und Schüler brauchen die Aufforderung sich anzumelden, um die Hemmschwelle überschreiten zu können.

Das Projekt hat sich mittlerweile gut an der Schule etabliert. Uns bestärkt, dass der Zulauf der Schülerinnen und Schüler zu dem Projekt nicht geringer wird. Auch fällt immer wieder auf, dass sich die Leistungen einzelner Schülerinnen und Schüler deutlich gebessert haben und oftmals ein Wiederholen einer Klasse vermieden werden konnte. Die Tutorinnen und Tutoren begrüßen, dass sie ihr Geld auf eine sinnvolle Weise verdienen, denn sie wiederholen Grammatikkapitel und beschäftigen sich mit fachlichen Inhalten, die ihnen selbst im eigenen Unterricht zugute kommen.

Eine anonyme Befragung von 92 Schülerinnen und Schülern im Jahr 2005 ergab verknappt folgende Ergebnisse:

Wir ziehen eine positive Bilanz. Bis auf wenige Ausnahmen war die Zusammenarbeit gut. Die Nachhilfe war effizient und die Kinder und Jugendlichen fühlen sich bei ihren Tutorinnen und Tutoren gut aufgehoben.

 



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