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Westfalenblatt, Engerscher Anzeiger, 30.8.2007
Wer nicht laufen konnte, der ging
Sponsorenlauf: Volksbank motivierte Schüler der Klasse 5c und stärkte Teamgeist
Enger (kw). In der Klasse 5c des Widukind-Gymnasiums hat jeder beim Sponsorenlauf mitgemacht, wirklich jeder. Wer nicht laufen konnte, der ist gegangen und hat so geholfen, Kilometer beziehungsweise Bargeld zu sammeln. Dass die Resonanz bei den Fünftklässlern so groß war, hat auch mit der Volksbank zu tun. »Wenn ihr als Klasse die 100 Kilometer überschreitet, verdoppeln wir das Kilometergeld«, hatte Pressesprecher Reiner Müller versprochen.
Und er staunte nicht schlecht über das Ergebnis: 138,5 Kilometer liefen die Mädchen und Jungen aus der 5c. Die Summe von 277 Euro wurde auf 280 Euro aufgestockt. Die Klasse kommt jetzt insgesamt auf fast 900 Euro Sponsorengeld, wie Klassenlehrerin Christa Wünnerke mitteilte.
Mitgelaufen sind Johanna, Dominik, Sarah, Oliver, Finn, Meliha, Niklas, Madita, Lisa, Seif-Eddine, Michael, Aileen, Ertugrul, Kim Alina, Svenja, Robin, Dinah, Dominik, Sebastian, Ann-Kathleen, Levin, Sandra Marina, Lasse Tim, Vanessa, Kathrina, Marie-Elisabeth, Tim, Sophie und Antonia Marie. Reiner Müller übergab gestern den Scheck den beiden Schülerinnen Kathrina und Aileen, stellvertretende für alle Schüler. Die beiden Mädchen hatten die Idee gehabt, bei der Volksbank wegen Sponsoring nachzufragen.
Der Sponsorenlauf wurde bereits zum zweiten Mal in der Geschichte des Widukind-Gymnasiums veranstaltet. Die Premiere liegt allerdings einige Jahre zurück. Die Resonanz beim Lauf am Freitag war sehr gut. Das eingenommene Geld ist zur Hälfte für die Bildung von Kindern und Jugendlichen in Ruanda bestimmt. Die andere Hälfte wird für die Gymnasiumsmensa verwendet.
Artikel vom 30.08.2007
Westfalenblatt, Engerscher Anzeiger, 30.8.2007

Ein bedrückendes Gefühl bleibt
Jugendliche besuchten Ausstellung »Zwangssterilisation« im Zellentrakt
Von Volker Zeiger (Text und Foto)Enger (EA). Die Ausstellung »Zwangssterilisation und Euthanasie« in der Gedenkstätte Zellentrakt in Herford hat Schüler des neunten Jahrgangs des Gymnasiums tief beeindruckt. In den Zellen hatte das Naziregime Menschen, die später in Gaskammern geschickt wurden, eingepfercht. Eine solche Geschichte »darf sich nicht mehr wiederholen«, fordern die Schüler.
Zwei von ihnen fassten für den ENGERSCHEN ANZEIGER ihre Eindrücke zusammen: Ines Müller und Tabea Stellbrink. »Als wir uns die Familienschicksale genau angeschaut und verinnerlicht haben, schämten wir uns richtig für unsere Vergangenheit«, schreibt Tabea Stellbrink. »Wir wünschten uns, alles rückgängig machen zu können, denn die Betroffenen waren meist nicht älter als wir selbst.«
Die Neuntklässler, die das Thema »Wir und die Anderen« im Fach Gesellschaftswissenschaften mit Lehrer Manfred Heggemann bearbeiten und mit dem Besuch im Zellentrakt »lebendigen Unterricht« praktizierten, wunderten sich »über die Dummheit der Menschen früher und dass diese nichts unternommen haben; dass sie einfach zusahen wie behinderte Menschen sterben mussten.« Gewundert habe man sich auch über die Gesetze, die es erlaubten, Menschen mit »sonderbarem Verhalten« zwangsweise zu sterilisieren. Und: »Die Bilder von den toten Kindern gingen uns sehr nahe«, schreibt Tabea weiter.
Die Eindrücke von Ines Müller: »Im Zellentrakt herrscht ein bedrückendes Gefühl. Wenn man die für ihr gesamtes Leben geschändeten und verstümmelten Menschen sieht, stellt sich mir die Frage wieso? immer wieder. Es ist pure Fassungslosigkeit. Wie kann ein Mensch seinem Nächsten so etwas antun? Je länger wir uns im Zellentrakt befanden, desto 'peinlicher' wurde es, Deutscher zu sein«. Der Grund: »Es ist unangenehm, sich einzugestehen: Das war unser Volk und man wünscht sich, das wäre niemals passiert«. Unfassbar seien die Bilder der Kinder, deren Leben für unwert gehalten wurde und die deshalb getötet wurden. Es stimme traurig, dass die Täter von damals ihr Handeln mit einer fanatischen Rassenlehre begründeten.
Leider, so die Schüler nach der Besichtigung, könne diese schreckliche Geschichte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Das belaste jeden. Aber, so Abdullah Cellik, »wir reden darüber und sehen nicht weg«.
Artikel vom 30.08.2007




